Was ich nicht kenn´das macht mir Angst!

Was ich nicht kenn´, das macht mir Angst…..

Schule Deiningen widmet ganze Projektwoche dem Thema „Anderssein“

(Hier der Zeitungsbericht der Projektwoche, Bilder und weitere Berichte finden Sie in den Klassen und unter Bildgalerien)

Wer ist anders?

Wer ist anders? Wer ist gleich? Bin ich normal, weil mir Menschen mit anderer Hautfarbe, Behinderungen, anderem Verhalten, anderen Bewegungen, anderem Aussehen anders vorkommen? Sind sie anders? Oder bin ich derjenige, der anders ist, zumindest aus dem Blickwinkel derjenigen, die anders zu sein scheinen als ich? 

Dieser und ähnlichen Fragen wollte die Grund- und Mittelschule Deiningen auf den Grund gehen, als sie ihre Projektwoche „Was ich nicht kenn, das macht mir Angst…“ initiierte und durchführte.

In einer Auftaktveranstaltung am Montag führte Schulleiterin Marga Riedelsheimer in das Thema ein. „ Das Anderssein der anderen als Bereicherung des eigenen Seins begreifen. Sich verstehen, sich verständigen, miteinander vertraut machen, darin liegt die Zukunft der Menschheit!“ Dies sollte das Motto sein, unter dem die Woche stand. Zusammen sangen die rund 240 Schüler das Lied: „Du bist nicht ich, ich bin nicht Du, ein jeder ist anders“ und begannen dann mit den Projekten in den Klassen.

Alle Klassen der Jahrgangsstufen 1-9 beschäftigten sich mit einem Bereich aus dem Thema „Was ist anders?“ und fast alle Klassen besuchten im Rahmen der Projektwoche eine Institution außerhalb der Schule, in dem andere (oder gleiche?) Menschen agieren.  

Lektüre als Aufhänger

Die Klasse 1 las das Kinderbuch “Ich bin ich“, in dem ein sonderbares Wesen, das von vielen abgelehnt wird, auf der Suche nach der Rasse ist, zu der es gehört. Erst am Ende des Buches nach erfolglosem Suchen, sagt es laut „Ich bin Ich“ und steht zu sich selber.

Ein ähnliches Thema hatte das Buch „Der Rabe, der anders war“, mit dem sich die Kombiklasse beschäftigte. Der Rabe wurde ausgegrenzt, weil er anders aussah. Die Klasse fand im Gespräch heraus, wie Menschen sich fühlen, die wegen ihres Aussehens ausgegrenzt werden und fassten den Beschluss, dass sie als Klasse niemanden ausschließen wollen und dafür kämpfen, sich bewusst für andere Menschen einzusetzen.

Auch im Buch „Die Hingucker“, das die Klasse 3a las, ging es darum, den Teufelskreis der Verleumdung und Angst zu durchbrechen, der sich ergeben hatte durch die „Grünäugigen“, die andere Gottheiten verehren und andere Bräuche haben. Die Titelhelden schaffen es mit viel Mut und Eigeninitiative diese Vorurteile zu durchbrechen.

Die 4a fand im Buch „Irgendwie anders“ heraus, dass es egal ist, wenn jemand anders ist und wie man ihm helfen kann sein Anderssein zu akzeptieren. 

Um einen demenzkranken Opa ging es im Buch der Klasse 4b: „Als Opa alles auf den Kopf stellte“. Hierbei wurde besprochen, wie die Familie den nun „anderen“ Opa, der sie Enkelinnen nicht mehr betreuen kann, die neue Situation gemeinsam bewältigt und Opa in seinem Anderswerden hilft.

In der 7. Klasse wurde das Hörbuch „35 Kilo Hoffnung“ als Ausgangspunkt in die Thematik genommen. David, der schulisch nur Misserfolge erlebt, hat einen Opa, der als einziger an ihn glaubt. Als dieser erkrankt schafft David etwas, das er selbst nicht für möglich gehalten hätte.

Besuch in anderen Schulen und Institutionen:

Ein wichtiger Baustein der Projektwoche sollte die Kontaktaufnahme mit Menschen sein, die oft als „anders“ wahrgenommen werden. Toleranz, den gegenseitigen Respekt schulen und erkennen, dass anders nicht unbedingt anders ist, das sollte das Ziel sein.

Die Klasse 9 fuhr in die Behindertenwerkstatt nach Polsingen und wurde dort überrascht davon, wie fleißig die Menschen bei der Arbeit sind, welche unterschiedlichen Arbeitsplätze es dort gibt und, dass Behinderte ebenso in Discos gehen, Urlaub machen und Fußballfans sind, wie nicht behinderte Menschen. Unterschiede und Gleiches wurden erstmals von vielen bewusst wahrgenommen. Großen Respekt verdienten sich die Menschen in Polsingen dadurch, als beobachtet werden konnte, wie sorgfältig sie 8 Stunden am Tag ihrer Arbeit nachgehen und wie gut sie Maschinen bedienen können.

Auch die Klasse 6 besuchte Polsingen. Sie durfte einen Blick in die Werkstatt werfen, besuchte die Förderstätte mit Tonraum, Bewegungsraum und Ruheraum, warf einen Blick in die Wohngruppen und sprach mit einem Rollstuhlfahrer, der geduldig die Fragen der Kinder beantwortete. Die Schüler waren schwer beeindruckt von dem Leben der geistig und körperlich Schwerstbehinderten. 

Die 7. Klasse fuhr mit der Klasse 3b nach Schwäbisch Gmünd in die Schule für Gehörgeschädigte. Dort wurden die verschiedenen Abteilungen vorgestellt – von Vorschule über Grundschule bis hin zu Werkrealschule und gymnasialer Oberstufe findet man dort alles. Es wurde erklärt, welche Schüler dort die Einrichtung besuchen – Hörgeschädigte bis hin zu tauben Schülern und wie diese Schüler unterrichtet werden. Nur wenige sind auf Gebärdensprache angewiesen, allerdings ist extrem wichtig, dass die Nebengeräusche in den kleinen Klassen (5-11 Schüler) gen Null gehen. Der Mund des Lehrers muss von allen deutlich zu sehen sein, in jedem Klassenzimmer sind Lautsprecheranlagen und die Kinder tragen Hörgeräte. Ansonsten läuft der Unterricht ähnlich ab wie bei uns- eine Erkenntnis, die die Kinder aus Deiningen erstaunte. Nachhaltig war sicher, dass die Kinder in Kleingruppen den Unterricht besuchen und live miterleben durften, wie dort gelernt wird. Ein Schüler meinte: „Dürfen wir nicht hier bleiben, das ist toll!“ – und war begeistert von dem breit gefächerten Angebot in der Gehörlosenschule. 

Die Klassen 4a und 5 durften einen Vormittag in Möttingen an der Hermann-Keßler- Schule verbringen. Rektorin Frau Allgayer-Pfaff gewährte ihren Besuchern einen Rundgang im Schulhaus. In der Pause wurden bereits Berührungsängste durch gemeinsame Gespräche und Fußballspiel abgebaut und im Anschluss durften unsere Schüler zusammen mit Schülern des Förderzentrums in Teamwork ein Leintuch mit Kartoffeldruck künstlerisch gestalten. Ein begeisterndes, beeindruckendes und nachhaltiges Erlebnis- und die Schulen beschlossen, weitere gemeinsame Aktionen ins Auge zu fassen! 

Die Klasse 8 fuhr zum Seniorentreff nach Nördlingen. Im gemeinsamen Frühstück und gemeinsamen Spielen erfuhren die Schüler viel über das Leben als Rentner und stellten sich die Frage, wie sie als alter Mensch gerne leben würden.

Die Klassen 4b und 3a besuchten das Alten- und Pflegeheim St. Vincent. Hier wurde den jungen Schülern bewusst, wie die Situation alter Menschen vor Ort oft ist. Sie durften die Räumlichkeiten besuchen und Gespräche mit alten Menschen führen. Unbefangen wurden Fragen wie „Hast Du Angst vor dem Tod?“ gestellt und auch beantwortet. Interessant und beeindruckt waren sie auch davon, wie toll alte Menschen aus ihrem Leben erzählen können und an welche Details sie sich oft nach 80 Jahren noch erinnern. Ein wichtiger Baustein, um das Leben alter Menschen zu verstehen. 

Auch die Klasse 1 war unterwegs und besuchte die Schule zur individuellen Förderung in Nördlingen. Sie nahmen an 2 Unterrichtsstunden teil und bastelten zusammen mit den Kindern dort Siebenmännchen. „Eigentlich waren die gar nicht anders“, so die Meinung vieler. 

Vorträge an der Schule

Ein weiterer Baustein sollte in dieser Woche Besuche von Externen Fachkräften an der Schule sein. So besuchte uns Frau Rupp vom Autismus Zentrum Augsburg.

Vorurteile gegenüber Autisten wie, „die sind behindert“ oder „die leben in ihrer eignen Welt“ wurden gründlich durchleuchtet und teils dementiert. Frau Rupp zeigte mit anschaulichen Mitteln, wie anders die Wahrnehmung autistischer Menschen ist und warum sie sich deshalb in unserem Sinne anders verhalten. Die Schüler durften ausprobieren, wie man mit einem umgedrehten Fernglas am Auge einen Parcours bewältigen kann oder wie viel man mitbekommt, wenn 4 Kinder einem 4 verschiedene Texte gleichzeitig vorlesen. Das Verständnis für Autisten wurde nachhaltig geprägt. Auch in Deiningen besuchen autistische Kinder die Schule. 

Die Sozialpädagogin Frau Sommer bot den Kindern an 2 Vormittagen einen Workshop zum Thema „Wie leben Blinde?“ an. Nach einem kurzen Einführungsfilm aus einer Blindenschule wurde in Tast-Stationen nachempfunden, wie Blinde lernen müssen, mit ihrer Umwelt klarzukommen. So banale Dinge wie das Müsli früh anrichten oder ein Puzzle machen sind plötzlich mit verbunden Augen nicht mehr banal. Natürlich wurde auch mit Blindenschrift gelesen und geschrieben. 

Hightlight der Woche war unter anderem der Besuch von 4 Bewohnern des Asylantenheims im Nördlingen zusammen mit Herrn Wegele vom Verein „Partnerschaft Dritte Welt“, die mit den Kindern der unteren Klassen trommelten. Schon in der Früh bildete sich eine dicke Traube in der Aula um die 3 Nigerianer und einen Mann aus Sri Lanka, die unbefangen ihre Trommeln zückten und die Aula mit Musik erfüllten. Später erfuhren die Kinder dann auch, warum die Menschen in Deutschland sind, was Asyl eigentlich bedeutet und warum sie schwarz sind. Nach anfänglicher Zurückhaltung und Misstrauen trommelten die Kinder begeistert zusammen mit den Besuchern und stimmten in den afrikanischen Trommelrhythmus mit ein.

„Die werde ich nicht mehr vergessen!“, meinte Dominik aus der 1. Klasse. Und Elias drückte mit „Das war cool!“ die Meinung fast aller Schüler aus.

Die höheren Klassen beschäftigten sich dann intensiver mit dem Thema „Asylbewerber“, durften Fragen stellen und ihre Berührungsängste so abbauen. 

Abschluss:

Freitag wurde zusammen Abschluss in der Aula gefeiert. „Anderssein als Bereicherung des eigenen Seins begreifen, sich verstehen und verständigen“ – das war Ziel der Woche. Egal, ob alte Menschen, Behinderte, Lernschwache, Gehörlose, Blinde, Autisten, Ausländer oder Asylanten – alle sind gleich und jeder ist anders. Nach den begeisterten Berichten der Kinder war klar, dass dieses Ziel nicht nur kurzfristig erreicht wurde. An der Schule wurde das Verständnis, der Respekt und die Toleranz für „andere“ nachhaltig verbessert.

Im abschließenden Lied „Andere sind halt etwas anders- vielleicht bist du für andere auch etwas anders“, kam dies nochmal deutlich zum Ausdruck.

Die Aula wird in der nächsten Zeit noch von einer bunten Ausstellung geschmückt, die einen Überblick über die Woche gibt.

Eine tolle Projektwoche, die sicher ihre Fortsetzung an der Grund- und Mittelschule Deiningen findet.